In den Kolonien
February 20th, 2008Nachdem ich fast zwei Wochen in den Kolonien auf der Suche nach Handpumpen, Bohrlöcher und Wassertanks war, konnte ich nun die Wasserproben für das Labor in Delhi sammeln. In zwei Tagen haben wir 20 mal 2 Liter Wasser von verschiedenen Handpumpen gesammelt, die das Labor nun auf verschiedene Pestizide und Organochloride testet.
Die Arbeit in den Kolonien war sehr spannend, abwechslungsreich und intensiv. Die meiste Zeit war ich mit Ritesh, einem Sambhavna health worker, unterwegs. Er kennt die Kolonien gut und hat bei der Datenerhebung übersetzt. Ohne Übersetzer hätte ich keine Chance gehabt, fast niemand konnte Englisch sprechen. Die meisten Leute in den Kolonien in welchen wir Daten gesammelt haben sind arm und haben keine bis schlechte Schulbildung. Mit den Satellitenkarten haben wir die Kolonien systematisch abgelaufen und haben zu jeder Handpumpe und zu jedem Bohrloch mit einem Fragebogen Daten gesammelt: Installationsdatum, Tiefe, Wasserqualität und -verfügbarkeit, Anzahl Leute die das Wasser nutzen, … In zwei Wochen haben wir so Daten für rund 400 Wasserquellen gesammelt. 20 Hanpumpen haben wir schlussendlich auserkoren um die Wasserproben zu nehmen.
Die Wasserproben sind unterdessen im Labor in Delhi und ich warte nun gespannt auf die Ergebnisse. Für euch hier ein paar Fotos aus den Kolonien…
Grüässli Aio
Meistens folgte uns eine Traube von neugierigen Kindern, während wir Strasse um Strasse in den Kolonien nach Handpumpen abklapperten
Ein kleiner Garten in einer der Kolonien mit Gemüseanbau
Kleiner Papayabaum mit reifenden Papayas in einem der Community-Gärten
Nachmittagsappell in einer Schule
Büffel- oder Kuhdung wird zu Fladen geformt, getrocknet und aufgeschichtet. Manchmal kleben sie aber auch an den Hauswänden wo das Sonnenlicht sie trocknet. Die Dungtkuchen werden von den armen Familien zum kochen und heizengebraucht
Eine private Handpumpe in einem Haus. Die privaten Pumpen sind in der Regel 30-80 Fuss tief.
Eine “Govenmental hand pump”. Diese Pumpen sind von den Behörden installiert worden und sind öffentlich zugänglich. Sie sind tiefer als die privaten Pumpen, von 150-300 Fuss tief. Die Wasserverfügbarkeit ist dementsprechend besser als bei den privaten Pumpen. Bei vielen privaten Pumpen versiegt das Wasser im Sommer.
Datenerhebung für ein Bohrloch bei einem Büffelfarmer.
Wasser aus einem privaten, mechanischen Bohrloch. In der Nähe stehen Petroltanks von Indian Oil, die höchstwahrscheinlich nich dicht sind: Das Wasser aus dem Bohrloch macht Blatern und riecht nach Benzin. Die Familie trinkt dieses Wasser. Das Grundwasser eines grossen Gebeites rund um die Öltanks (hunderte von Familien) riecht nach Benzin.
Wasser aus einer privaten Handpumpe. Viele der Handpumpen geben trübes Wasser, welches aufgrund der Partikel einen strengen Geruch haben kann. Auch dieses Wasser wird von der Familie als Trinkwasser verwendet.
Annu Nagar, einer der Kolonien direkt neben den Bahngeleisen. Die Kolonie ist illegal, das Land gehört der indischen Eisenbahn. Die Leute sind arm, ihre Häuser sind aus Kuhdung, Holz, Plastik und Metallplatten gebaut. Die sanitäre Situation ist sehr schlecht, ebenso die medizinische Versorgung. Die Bewohner können sich die Installation von privaten Handpumpen nicht leisten. Sie sind deshalb von externer Versorgung mit Wasser von der Regierung abhängig.
Warten auf Wasser: Ein Wassertank in Annu Nagar. Da das Grundwasser in vielen Kolonien nachweislich mit Chemikalien von Union Carbide verseucht ist, stellt die Regierung Wasser zur Verfügung. In mehreren Kolonien sind Wassertanks installiert. Diese werden aber unregelmässig gefüllt und die Qualität ist mehr schlecht als recht. Die Bewohner erhalten nicht genügend Wasser von den Tanks.
Tankinspektion.
Viele Tanks werden nicht geputzt und so bilden sich Algen im Innern und Sedimente Lagern sich ab. Wird der Tank nicht regelmässig gefüllt, fault das Wasser und ist von schlechter Qualität.
Solar Evaporation Pond. Dieser Teich wurde von Union Carbide als Müllhalde für das Schmutzwasser der Fabrik gebraucht. Die Idee: Chemikalien im Schmutzwasser (Lösungsmittel, Salze, etc.) sollen an der Sonne verdampfen. Der Teich ist in unmittelbarer Nähe zu mehreren Kolonien.
Viele Menschen in den Kolonien leiden an Hautausschlägen aufgrund des Wassers das sie konsumieren. Das Grund- und das Tankwasser ist schlecht und so sind Hautprobleme sehr verbreitet.




